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Literarisch-politische Anmerkungen zum Zeitgeschehen. Poetisches und Kritisches. Romantik und Rebellion. Über mich und meine Sicht der Dinge. Neues aus meiner Schreibwerkstatt. Liebe, Leben, Literatur.

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Zum Tod von Peter Wiechmann

Abschied von einem alten Freund und Comic-Macher

 

Am 11. Januar ist Peter Wiechmann 80jährig in Pöcking am Starnberger See unerwartet gestorben.  Wenige Tage zuvor hatten wir am Telefon noch über das Sterben und den unausweichlich näher rückenden Tod philosophiert, ohne zu ahnen, dass der Gevatter ihm bereits so nah war.  Pit und ich waren rund 60 Jahre freundschaftlich miteinander verbunden.  Unsere Lebenswege sind sehr verschieden verlaufen, seit wir uns 1960 in einer Koblenzer Redaktion gegenüber saßen.  Er wurde als Kreativ-Chef im Münchner Kauka-Verlag und später als Gründer und Leiter des Zeichner-Studios COMICON in Barcelona zum äußerst produktiven Altmeister der deutschen Comic-Macher, ich vom Magazin- und Tageszeitungsredakteur zum Bildungsreferenten, Gewerkschafter  und freien Schriftsteller. Aber über alle räumlichen Distanzen gab es zwischen uns immer wieder Berührungspunkte, Begegnungen und Nähe, ob bei Besuchen im Grünwalder Kauka-Schloss, in seinem Alters-Ruhesitz am Starnberger See oder bei Freundschaftstreffen im französischen Département Ardèche.  Spät wurde ich doch noch sein „Comic-Azubi“  bei der Adaption des mittelhochdeutschen Artus-Versromans unseres Ritter-Dichters Wirnt von Gräfenberg aus dem frühen 13. Jahrhundert.  Bei der Präsentation des Comic-Albums  „Die phantastischen Abenteuer des Glücksritters Wigalois“ 2011 auf dem Gräfenberger Marktplatz  war Don Pedro als Geburtshelfer und Taufpate dabei, zusammen mit dem wunderbaren katalonischen Zeichner Isidre Monés und seinem Nachfolger als COMICON-Chef Christof Ruoss. Erst im letzten Jahr, als Pit seine Bildergeschichten aus dem Comic-Magazin „Primo“ nach 50 Jahren noch einmal in zwei Prachtbänden auferstehen ließ, verlangte er mir eine redaktionelle Zugabe über die 68er Jahre ab, die dann unter dem Titel „Trau keinem über 30“ darin erschienen ist.  Was bleibt, ist die dankbare Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen und Freund.

Peter Wiechmann bei der Präsentation des Wigalois-Comic-Albums

am 18. Juni 2011 auf dem Gräfenberger Marktplatz.

Wiechman über Wiechmann

Geboren am 29. Oktober 1939 in Bunzlau, der bekannten Töpferstadt Schlesiens (heute Polen). Vater Chefredakteur der Kreiszeitung, Mutter Redakteurin. Das Dröhnen von Druckmaschinen wurde mir recht früh vertraut...

1945: Abenteuerliche Winter-Flucht des Vaters nach Eschwege. Hier wurde meine Mutter als 13tes Kind eines Pfarrers geboren, hier lernte sie meinen Vater in der Redaktion des Eschweger Tageblattes kennen. Hier machte ich später meine Lehre als Schriftsetzer.

Die Amerikaner brachten die Comics in mein Leben. Ich sorgte auf verschlungenen Wegen für ständigen Nachschub aus der Ami-Kaserne und nutzte die lappigen Hefte als harte Währung für den Tausch gegen Mangelware = Bücher, Spielzeug, Essen.

Abschied von der Heimatstadt und dem ungebundenen Leben als Häuptling einer umtriebigen Jugendgruppe: die Bundeswehr rief! Mich rief sie in die Redaktion eines auflagenstarken Wochenmagazins des Wehrbereichs III. Nach einigen Zwischenstationen: Kauka! FF-Schloss in Grünwald vor den Toren Münchens. (LUPOLUPO modern). Als ich kam, war FIX & FOXI das alleinige Flaggschiff des Verlages. Als ich ging, gab es rund 20 verschiedene Titel, die meist unter meiner Regie – als Produktions-, Redaktionschef & Verlagsleiter – das Licht des Marktes erblickten. Daneben als Kreativ-Hobby: Die Handdrucke aus meiner Kellerpresse.

Kauka verkaufte sein Imperium. Ich kündigte dem Comic-Chaos der neuen Eigner und gründete - nach einem Gastspiel bei Springers „Zack“ -  das Kreativ-Studio COMICON in München. Das verlagerte ich bald nach Barcelona und produzierte von dort aus mit meinen Zeichnern 23 Jahre lang eigene und fremde Comic-Serien, Comic-Magazine, Werbung, Spiele...Dann der Rückzug über die Pyrenäen nach Pöcking.

 

Wiechmann-Werke bei Cross Cult:

  • Andrax (2007-09, 5 Bände)
  • Thomas der Trommler (2009, 1 Band)
  • Hombre (2009, 2 Bände)
  • Dietrich von Bern (2010-11, 3 Bände)
 

Wiechmann im Eigenverlag:

  • Tex and Mex - Scalphunters (2016, 1 Band)
  • Primo Premium (2019, 2 Bände mit diversen Serien aus Primo, Zack und Yps)

Die beiden Pracht-Bände von „Primo Premium“ waren Don Pedros Comic-Vermächtnis, das er im letzten Jahr noch veröffentlichen konnte.

Sehr persönlich dagegen zwei gewichtige Werke der letzten Jahre:

Die 1000-Seiten Jugend-Autobiografie „Feuer & Flamme“ und der Wander-Abenteuer-Bildband durch seine geliebte spanische Berg-Wildnis: „Vagabundos en Camino“ (zusammen mit seinem Freund Werner Witt).

 

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