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Literarisch-politische Anmerkungen zum Zeitgeschehen. Poetisches und Kritisches. Romantik und Rebellion. Über mich und meine Sicht der Dinge. Neues aus meiner Schreibwerkstatt. Liebe, Leben, Literatur.

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Bayerns Schande

Wasserstandsmeldung zur Bayernwahl: Während die Grünen ökologisch sauberes Oberwasser gewinnen, das aber nach der Wahl durch einen Koalitions-Tintenfisch eingeschwärzt zu werden droht, steht den Nichtschwimmern der SPD das Wasser bis zum Hals. Der Seehofer hat einen toten Fisch an Land gezogen und der Söder, dem die Fische davon schwimmen, macht im Nürnberger Jugendstil-Volksbad Trocken-Schwimmübungen. Die Freien Wähler stehen mit Rettungsring am Beckenrand. Die FDP versucht sich freizuschwimmen. Die Linke schnappt am Fünf-Prozent-Wehr nach Luft. Die AfD fischt wie immer im Trüben. Soweit metaphorisch gesprochen die Lage kurz vor der Bayerischen Landtagswahl. Mehr zum Thema könnt ihr in meiner Kolumne für das Oktoberheft des Nürnberger Sozialmagazins „Straßenkreuzer“ lesen, die hier als Vorabdruck Appetit machen soll auf weitere aktuelle Beiträge im Heft:

 

Bayerns Schande

 

Stellen Sie sich mal vor: An Ihre Wohnungstür klopft ein fremder Mensch, abgemagert und schlotternd vor Angst, und bittet um Hilfe. Bei ihm zuhause habe sich eine Räuberbande breit gemacht. Es herrsche Mord und Totschlag. Er will auf keinen Fall dahin zurück. Wie reagieren Sie?

 

Sicher folgen Sie Ihrem natürlichen Mitleid-Impuls, bitten den Fremden herein und versuchen bei einer Tasse Kaffee mehr aus dem Verängstigten heraus zu bekommen. Weitere Familienmitglieder gesellen sich dazu und beratschlagen, wie sie ihm helfen könnten. Da eins Ihrer Zimmer leer steht, nehmen sie ihn erst mal bei sich auf. Sechs Millionen Menschen in Deutschland helfen in ähnlicher Weise Flüchtlingen - freiwillig und ehrenamtlich.

 

Oder alternativ: Der angstschlotternde Fremde flößt Ihnen selber Angst ein. Vor allem, weil seit einiger Zeit wilde Gerüchte über die besondere Gefährlichkeit solcher Schutzsuchender kursieren. Blitzschnell schließen Sie Ihre Wohnungstür und drehen den Schlüssel dreimal um. Als Sie hören, dass der Fremde von einer Familie im Haus aufgenommen wurde, protestieren Sie gemeinsam mit anderen lautstark gegen diese „Überfremdung“. Schutz Suchende werden tätlich angegriffen. Unterkünfte gehen in Flammen auf.

 

Die Einen handeln als gute Christen: Menschlich. Sie wählen mehrheitlich in Bayern CSU. Die Anderen sind besessen von ihrer Angst. Auch das ist menschlich. Sie setzen auf die AfD, die diese Ängste schürt und eine rigorose Abschottungspolitik fordert. Für die bevorstehende Landtagswahl bedeutet das: CSU-Abgeordnete könnten Mandate verlieren, die Partei ihre Alleinherrschaft. Doch statt einer christlichen und sozialen Alternative kriecht sie der AfD in den braun-verschmierten Aller-Unwertesten. Ihr „C“ hängt sie mit einer scheinheiligen Kruzifix-Hängordnung amtlich an den Nagel. Das bringt sogar den Oberhirten der deutschen Katholiken, Kardinal Marx, samt seinem protestantischen Kollegen auf die Palme. Der Bamberger Domkapitular Peter Wünsche sieht sich nach 44 Mitgliedsjahren zum CSU-Austritt genötigt. Selbst Arbeitgeber laufen Sturm gegen eine absurde Abschiebepraxis, die ihnen dringend benötigte und gut integrierte Arbeitskräfte in Handwerk, Gastronomie und Pflege raubt.

 

Der „Erfolg“: Die Umfragewerte der CSU sinken auf 35 Prozent! Damit könnte sie nur zwischen einer schwarz-grünen und evtl. einer schwarz-braunen Koalition wählen. Prompt fordern Vertreter des innerparteilichen „Konservativen Aufbruchs“ wie der Erlanger Stadtrat Rohmer ein Bündnis mit der AfD: bloß nicht mit den Grünen! Wächst da zusammen, was nicht zusammen gehört?

 

Der Irrtum der CSU: Es gibt in unserer vom Nazi-Krieg nachhaltig sensibilisierten Gesellschaft keinen Rechtsruck! Nur krampfhafte Versuche, die politischen Gewichte zu verschieben. Was die schon immer vorhandenen Rassisten und Antisemiten aus der Mitte der Gesellschaft ermutigt, wieder offen und brutal Farbe zu bekennen. Aber zwei Drittel der Deutschen beklagen diese Verrohung der Politik.

 

Der Niedergang der einstigen Volksparteien ist freilich weitgehend politische Selbstverstümmelung: Auch der SPD sind ihre Stammwähler abhandengekommen, seit sie mit harten Einschnitten ins soziale Netz der Wirtschaft unter die Arme gegriffen hat, auf Kosten der Arbeitnehmer. Hat zwar Arbeitsplätze gebracht – aber was für welche? Ja, die altehrwürdige Sozialdemokratische Partei - in den Wählerumfragen zur Landtagswahl gleichauf mit der AfD bei 11 Prozent! Muss diese Schande nicht jedem anständigen Bayern die Schamröte ins Gesicht treiben? Das hat die Partei, aus deren Reihen einst Kurt Eisner kam, denn doch nicht verdient. Kurt Eisner, der Begründer und erste Ministerpräsident des „Freistaat Bayern“, der vor 100 Jahren Seite an Seite mit dem Bauernführer Ludwig Gandorfer die über 700jährige Herrschaft der Wittelsbacher unblutig beendete. Der in den nur 105 Tagen bis zu seiner Ermordung das Frauenwahlrecht und den Acht-Stunden-Tag einführte und in seiner Regierungserklärung verkündete: „Jedes Menschenleben soll heilig sein!“

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