Literarisch-politische Anmerkungen zum Zeitgeschehen. Poetisches und Kritisches. Romantik und Rebellion. Über mich und meine Sicht der Dinge. Neues aus meiner Schreibwerkstatt. Liebe, Leben, Literatur.
Bejubelte Aufführung des „Zaubergürtel“ nach Wirnt von Gräfenbergs Epos
Zum Abschluss des 7. Gräfenberger Bürgerfestes war eine Uraufführung angesagt: Die Märchenoper „Der Zaubergürtel des Wigalois“ in einer Kammerversion. Komponist Wolfgang Junga und seine 24 spielfreudigen Laienmusiker in Mittelalter-Gewändern ernteten in der vollbesetzten Dreieinigkeitskirche jubelnden Beifall.
Ein wundertätiger Zaubergürtel und die Emanzipation des Helden Wigalois von diesem magischen Hilfsmittel spielen in Wirnt von Gräfenbergs Artusroman aus dem frühen 13. Jahrhundert wie in der von Manfred Schwab verfassten Opernversion eine zentrale Rolle. Dargestellt wird die abenteuerliche Geschichte in einem Rückblick beim 20jährigen Thronjubiläum des zum König von Korntin gekrönten Artusritters Wigalois.
Nachdem bereits beim letzten Bürgerfest 2014 der 1. Akt der Kinder-Märchenoper konzertant aufgeführt worden war, hat der Komponist jetzt seine inzwischen fertig gestellte Oper im Zeitraffer präsentiert, gewissermaßen einen „Zaubergürtel light“. Der sollte vor allem einen Eindruck von der musikalischen Qualität des Werkes vermitteln, das rhythmisch akzentuiert und mit melodischem Schwung durch die abenteuerliche Handlung mäandert. Da es selbst bei einer Bühnenaufführung kaum möglich ist, einer Opernhandlung ohne Vorkenntnisse zu folgen, wurde der Text zum Mitlesen im Programmheft abgedruckt, wenn auch mit gelegentlichen Abweichungen. Ein Herold (Horst Vogel sprang kurzfristig für den erkrankten Peter Schmitt ein) führte mit erklärenden Zwischentexten durch die Szenenfolge. Trotzdem stellte das Konzert nicht geringe Anforderungen an Konzentration und Phantasie des Publikums.
Die auf ein Streichquartett reduzierte Orchester-Partitur forderte von Boris Loncar und Rega Hanika (Violine), Karin Hahn (Viola) und Sonja Samberger (Cello) solistischen Einsatz, was die Laienmusiker bravourös und mitreißend meisterten. Präzise und dezent wurden sie dabei von Schlagzeuger Matthis Wilting zum Quintett erweitert.
Eine besonders schwierige Aufgabe hatten die vier Gesangssolisten übernommen, hatten sie doch die gesamten Opern-Partien zu bewältigen. Monika Feil widmete sich mit ihrem angenehm-samtigen Mezzosopran den weiblichen Rollen von Königin Larie bis zur Fischerfrau. Wolfgang Junga musste neben der musikalischen Leitung seine kräftig strahlende Tenorstimme nicht weniger als fünf männlichen Rollen leihen, die er zudem durch eine Art Hutmodenschau, den Einsatz verschiedener Kopfbedeckungen und Requisiten, unterscheidbar zu machen versuchte. Dankbarer war da die Aufgabe von Zwerg-Hofnarr (Irmgard Seybold) und Papagei (Susanne Schnaus), die das Heldenleben mit eingängigen satirischen Liedern wie dem „Drachenlied“ und dem „Helden-Spottlied“ ironisierten und parodierten.
Wacker schlug sich der kleine Fränkische Schweiz-Chor bei den oft diffizilen Einsätzen. Die 14 Sängerinnen und Sänger aus mehreren Orten rund um Gräfenberg bildeten das musikalische Grundgerüst der Aufführung. Dabei war zu spüren, dass sie Nachwuchssorgen haben und dringend sängerische Verstärkung brauchen. Insgesamt war das kammermusikalische Konzert der respektable Versuch, einen Eindruck von dem komplexen Opernwerk rund um Wirnts Artusroman zu vermitteln. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich die Wiederholung des König Wigalois-Huldigungschors. Da die Adaption als Kinderoper konzipiert ist, wäre ihr eine baldige Inszenierung auf einer professionellen Opernbühne zu wünschen.
(Bericht auch in den Nordbayerischen Nachrichten vom 16.Juli 2019)