Literarisch-politische Anmerkungen zum Zeitgeschehen. Poetisches und Kritisches. Romantik und Rebellion. Über mich und meine Sicht der Dinge. Neues aus meiner Schreibwerkstatt. Liebe, Leben, Literatur.
Der Islam
gehört zu Deutschland verkündete
der Altpräsident
verkündet die Kanzlerin
Der Islam
gehört nicht zu Sachsen verkündet
der Ministerpräsident
Gehört also Sachsen
vielleicht zur Schweiz?
Der Islam
gehört sich nicht
verkündet Pegida
Pegida rettet das Abendland
vor dem Islam
Pegida
gehört sich nicht
verkündet No-Pegida
No-Pegida rettet das Abendland
vor Pegida
Ja ist denn das Abendland
noch zu retten?
(Manfred Schwab)
----------------------------------------------------
"Die Pegida-Bewegung hat offenbar ihren Höhepunkt überschritten. Die Führung ist zerstritten, die Teilnehmerzahlen gehen zurück. Dies ist in erster Linie den vielen Menschen zu danken, die in den letzten Wochen gegen Pegida auf die Straße gegangen sind. Die Gesellschaft in unserem Land hat auf die Herausforderung sehr reif reagiert. Sie hat sich dem »völkischen Raunen« und den rechten Parolen der Demonstranten in einer kraftvollen demokratischen Haltung entgegengestellt. Und überall bildeten sich Initiativen, um den Flüchtlingen, die in unserem Land Schutz suchen, mit großem Engagement zur Seite zu stehen. Es ist gut zu erleben, wie unsere Gesellschaft hier aktiv ihre Werte verteidigt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und zusammenzuhalten, wenn es darauf ankommt.
Diese Bereitschaft ist ein kostbares Gut, und die Politik sollte ihr auch anderswo Raum geben. Bei den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP ist die Mitwirkung der Gesellschaft offenbar nicht erwünscht. Die Menschen wollen sich aber nicht einfach als Verbraucher abspeisen lassen, weil sie spüren, dass es hier um wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft geht; sie wollen sich ihre politische Gestaltungsmacht nicht nehmen lassen. Sie wollen nicht, dass hinter ihrem Rücken der Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft abgebaut wird. Mehr als eine Million EU-Bürgerinnen und Bürger haben sich dagegen gewehrt und ihrem Misstrauen gegenüber der Politik Ausdruck verliehen. Mit Geheimverhandlungen bei solchen entscheidenden Fragen erzeugt man Frust; so kann man die positiven Kräfte einer Gesellschaft nicht wecken.
Auch wenn Pegida nun an Bindungskraft verlieren sollte, hat die Bewegung doch deutlich gemacht, wie groß und gefährlich das Potential der rückwärtsgewandten antihumanistischen Strömungen ist...Es kommt jetzt darauf an, dass diese Abendlandsmissversteher keine Resonanz mehr in der breiten Bevölkerung finden...Die immer weitere Bereiche des Lebens beherrschende Ökonomisierung unterhöhlt die westlichen Werte und generiert Ohnmacht und Orientierungslosigkeit, den Nährboden für Parolen aller Art. Es ist Zeit, nun mit der Diskussion um die eigentlichen Probleme zu beginnen, mit dem Kampf um mehr Gerechtigkeit hier und weltweit, um gute Lebensbedingungen jetzt und in der Zukunft. Dass die Gesellschaft reif ist für die Auseinandersetzung mit diesen Fragen, hat sie durch ihren Einsatz gegen Pegida bewiesen."
(Aus einer Medieninformation des Verbands deutscher Schriftsteller vom 23. Februar 2015).