Freitag, 10. oktober 2008
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Bayern, Franken, Bier und Bürgerrechte.
Wäi verschprochn, ezerdla a weng a Bollidigg.
(Das ist Fränkisch. Zur Erinnerung:
Frank = frei! Franken, einst ein Kernland des europäischen
Frankenreichs Karls des Großen, von Napoleon 1805 dem Königreich Bayern zwangseinverleibt, wäre 1866 beinah preußisch geworden. Dann marschierte am 7. November 1918, also vor 90 Jahren, der
Sozialist
Kurt Eisner - einst Redakteur der Nürnberger SPD-Zeitung
“Fränkische Tagespost” - an der Spitze eines Demonstrationszugs durch München, jagte den dritten und letzten Ludwig zum Teufel, rief den Freistaat Bayern aus und wurde sein erster
Ministerpräsident. Er wollte Räte-Revolution und parlamentarische Demokratie miteinander versöhnen. Dafür haben sie ihn kaum ein Jahr später ermordet - auf dem Weg in den Landtag, wo er seinen
Rücktritt ankündigen wollte).
Mit
Günther Beckstein regiert derzeit ausnahmsweise ein Franke den Freistaat. Grade mal ein Jahr ist er
dran, da rollen die Köpfe, weil die CSU nicht mehr so viele Wählerkreuzchen bekommen hat wie alle andern Parteien zusammen. Jetzt soll ein gewisser
Seehofer Landesvater des seenreichen Bayernlandes werden. Also, Horsti, Wasser marsch im Bierland Bayern!
Beinah hätte ja der
Innenminister Herrmann den Kampf der Viererbande um die Beckstein-Nachfolge gewonnen. Das ist der, der in typischer
CSU-Rambo-Manier ein neues Versammlungsgesetz durchgeboxt hat. Ein Gesetz, das derart brutal demokratische Grundrechte und bürgerliche Freiheiten knebelt, dass nicht nur Gewerkschaften und Bund
Naturschutz, SPD, Grüne und Linke dagegen Verfassungsbeschwerde erhoben, sondern auch die FDP. Ja, genau die, die jetzt mit der CSU ins Koalitionsbett steigen will.
Frau Leutheusser-Schnarrenberger, ich hätte da mal eine Frage...
Jetzt aber zur Poesie. Ich hab mich mal ein bisschen im
Autorenblog Thomas von Katzenberg umgesehen. Der macht u.a. auch kritisch-politische
Gedichte, aber er ist nicht der Einzige. Keine Frage, Poesie und Politik vertragen sich, auch wenn das manche vehement bestreiten. Große bayerische Dichter wie Bert Brecht und Erich Mühsam
haben es hinreichend bewiesen. Und nicht politisch sein wollen ist bekanntlich auch politisch. Der Strauß läßt grüßen. Also diesmal etwas politische Lyrik: Ein seherisches (???) Gedicht, mit dem
ich mich im Sommer für die Verleihung des Kulturpreises durch das Kulturforum Franken bedankt habe:
Der Club*) steigt ab, der Beckstein auf –
das ist nun mal der Dinge Lauf.
Im Frankenland, im Weltenall
dreht sich’s um Aufstieg und um Fall.
Die Frau Fortuna kurbelt wild
am Rad des Glücks – ein altes Bild –
das hebt uns, stürzt uns tief hinab:
Der Club steigt auf, der Beckstein ab!
Der Club steigt ab, der Schwab steigt auf –
Beschlossen seines Schicksals Lauf
im Forum für Kultur der Franken.
Glücksgöttin Lizzy **) lass dirs danken!
Das Rad, es lehrt: Bescheiden bleiben,
vielleicht noch ein paar Verse schreiben,
denn eins ist sicher wie das Grab:
Der Club steigt auf, der Schwab tritt ab...
*) Für Nichtfranken: Club = der ruhmreiche Fußballclub 1.FC Nürnberg.
**) Lizzi Aumeier: Basso-Domina, Musik-Kabarettistin und Vorsitzende des Kulturforums.
Übrigens: Meine Heimatstadt Coburg, bis 1918 Residenzstadt des kleinen Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, hat sich 1920 in einer Volksabstimmung für den Anschluss an Bayern entschieden, u.a.
weil das den Weiterbestand ihres Drei-Sparten-Theaters und ihrer vier Gymnasien garantiert hat. Hätten sich die Coburger damals für Thüringen entschieden, wäre ich in der DDR aufgewachsen.
So bestimmt die Politik dein ganz persönliches Schicksal - du kannst dich da nicht einfach
raushalten!
Ein schönes poetisches Wochenende zusammen!